Der 14. November in den spanischen Großstädten und in Lissabon (Mediensammlung)

In den spanischen Metropolen sowie in Lissabon führte der 14. November zu einem regelrechten „Stillstand“: Es bildeten sich an dem Tag etliche Streikposten, in Spanien wurde im Rahmen des „Huelga Social“ auch zu „Bevölkerungsstreikposten“ im Sinne von Kundgebungen in den Stadtteilen aufgerufen. An den Abenden gab es dann (vorallem in Spanien) gigantische Demonstrationen. Tagsüber kam es immer wieder zu kleineren Demos durch die Streikposten, welche immer wieder (im sogenannten „Flying-Picket“-Verfahren) „loszogen“ und durch die Viertel demonstrierten… Leider war die spanische Polizei teilweise extrem agressiv, aufgrund der immensen Beteiligung in der Bevölkerung kann mensch hier schon von einem „Vorgehen der Polizei gegen die gesamte Bevölkerung“ sprechen. Dies ist im Übrigen ein „Symptom“ von Diktaturen.
Im Folgenden nun eine, bewusst begrenzt gehaltene Übersicht der spanischen Städte über 500.000 Einwohner sowie Lissabon. (wo es im übrigen am Abend des 14. November zu Zusammenstößen mit der Polizei vorm Parlament gekommen ist)

Barcelona: Etliche „Piquets“ („Streikposten“) im Tagesverlauf im gesamten Stadtgebiet, ihre Anzahl könnte im dreistelligen Bereich liegen. Die Beteiligung war selbst für Barcelona-Verhältnisse (BCN ist eine Hochburg linker und vorallem anarchosyndikalistischer Bewegungen und Gewerkschaften) ungewöhnlich hoch (klar über 80%), daher war die Stadt auch entsprechend lamgelegt. Am Abend kam es dann zu ersten Zusammenstößen zwischen Mossos und DemonstrantInnen, dabei verloren mehrere Menschen durch Gummigeschosse teilweise ihr Augenlicht, es gab zahllose Meldungen über verletzte.

Trotzdem war die Beteiligung an den Demonstrationen des Abends extrem hoch, insgesamt waren wohl deutlich mehr als eine Million Menschen auf der Straße. (die Stadt hat etwa 2 Millionen EinwohnerInnen samt Umkreis) Allein die Demo der anarchosyndikalistischen sowie basisorientierten Gewerkschaft(sföderation)en soll über 100.000 Menschen gezählt haben, dies ist selbst für katalanische Verhältnisse unglaublich viel. (durch Vereinigung mit einer Indignado-Demo soll die „Manifestacio Alternativa am Ende sogar deutlich mehr als 100.000 Menschen groß gewesen sein) Am Ende verschmolzen die Demos zu einer immensen Menschenmasse, die die Passeig de Gracia und weitere, innenstädtische Straßen, gefüllt hat.

Bild von einer der Demonstrationen: http://imagenes.publico.es/resources/archivos/2012/11/14/135292210751814-N-manifa-efe-manifa-barna-vistagd.jpg

Foto der „Hauptdemonstration“ auf der Passeig de Gracia: http://kaosenlared.net/media/k2/items/cache/1b96f855f4042436e99eb6e7521e45ea_XL.jpg

Foto der „Manifestacio Alternativa“ (anarchosyndikalistische Gewerkschaften/autonmer Aufruf): http://www.flickr.com/photos/cgtcatalunya/8191253473/

Video der „Manifestaciò Alternativa: https://www.youtube.com/watch?v=9VFdyikTpjc

Weiteres Video: https://www.youtube.com/watch?v=g72T8TO9GSQ (zeigt die Größe der anarchistischen Demo, zudem ist die Straße, wo sich die Demo dort befindet, sehr breit)

Video von der „Hauptdemo“ auf der Passeig de Gracia: https://www.youtube.com/watch?v=gpX0gETjzYA

weiteres Video, nahe des Gewerkschaftslauti: https://www.youtube.com/watch?v=NKNllfqYvwY (auffällig bei beiden Videos ist die immense Drängung auf der Passeig de Gracia angeblich war die Menschenmasse so groß, dass sie die eigentliche Demoroute quasi nicht „ablaufen“ konnte)

Allgemein sei gesagt, dass Menschenmassen, wie sie in Barcelona auf der Straße waren, nur sehr schwer abschätzbar sind. Ab einer gewissen Größe ist eine präzise Zählung der Leute schlicht und ergreifend nicht mehr möglich und es bedarf langer und mühsamer Analysen um entsprechende Zahlen abschätzen zu können. Allein der Umstand, dass die recht lange und von breiten Straßen geprägte Demoroute (die Passeig de Gracia ist ein Boulevard, der aus vier Autospuren und einem, fast nochmal so breiten, Mittelstreifen besteht) quasi „voll“ mit Menschen war und der Zug kaum „vorran“ kam, spricht für sich.

Valencia: In Valencia gingen lt. CCOO-Webseite zwischen 300.000 und 400.000 während der „Hauptdemo“ auf die Straße. Auch hier gab es etliche „Piquetes“ sowie alternative Demonstrationen. Es gibt eine recht reichhaltige Anzahl von Videos (youtube) sowie einen guten Eindruck aus der Luft:

http://estaticos.elmundo.es/elmundo/imagenes/2012/11/14/valencia/1352914956_1.jpg (Hauptdemo auf der Innenstadt/Calle Xativa)

Videos: http://www.youtube.com/watch?v=Ts-pVmp9-rA (hier lässt sich bereits die immense Masse erahnen)

http://www.youtube.com/watch?v=nAdFWTM2t0E (Anarchosponti zum „Hauptversammlungsort“, auch hier ist eine „Zunahme“ der Anzahl der Leute auf der „alternativen“ Demo der AnarchistInnen und Indignad@s im Vergleich zu vergangenen Generalstreiks zu erkennen)

http://www.youtube.com/watch?v=8YnmV9U2bLQ (Performanceversuch einiger Indignad@s)

http://www.youtube.com/watch?v=AgVYo8Hxer0 (Sammlung einiger Eindrücke der „großen“ Abenddemo)

Zaragoza: Hunderttausende sollen es in Zaragoza am 14. November gewesen sein, die sich an der zentralen Großdemo beteiligt haben. Zuvor demonstrierten bereits zwischen 20.000 und 30.000 Menschen in einer anarchosyndikalistischen Demonstration durch die Innenstadt. Auch der Indignad@-Demoblock soll fünfstellig gewesen sein. Leider kam es, wie in vielen Städten Spaniens auch hier zu Polizeiübergriffen. (vorallem auf Streikposten während des Streiktages)

Bilder: http://www.huelga14n.org/sites/default/files/zaragoza_0.jpg (Aufnahme eines Teiles der zentralen Hauptdemo am Abend)

http://www.heraldo.es/uploads/imagenes/bajacalidad/_huelg_6eb25b49.jpg (Spitze der Demo)

Videos: http://www.youtube.com/watch?v=K5AGnNQU1V4 (Bildungsstreikdemo, die sich bereits am Vormittag formierte, bestand aus vielen tausenden Menschen)

http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&v=oJ5id8O3YJU&NR=1 (Sammlung verschiedener Streikposten, Demos, etc.)

http://www.youtube.com/watch?v=HVyRNRyrgLQ (Eindruck der „alternativen“ Demonstration)

http://www.youtube.com/watch?v=vott5x-Jxu4 (Eindrücke der abendlichen, großen Zentraldemo)

Sevilla: Hunderttausende Menschen (Schätzungen schwanken stark, letzte Berichte meldeten „mehrere hunderttausend“, dürften so 200.000 Menschen gewesen sein) waren an diesem Tag auf der Straße, wobei die „zentrale Demo“, anders als in vielen anderen Städten Spaniens tagsüber stattfand und es nicht diese „Trennung“ der Demos bzw. „Vorfeldaktionen“ vor der Hauptdemo gab, der Streiktag spielte sich in der „großen Menschenmenge“ den ganzen Tag über ab. Hier eine kleine Sammlung aus Sevilla:

http://www.ccoo.es/comunes/recursos/99900/1519440-Manifestacion_en_Sevilla.jpg („Hauptdemo“ der großen, „reformistischen“ Gewerkschaften)

http://assembleavallirana.files.wordpress.com/2012/11/sevilla.jpg%3Fw%3D800 (weiteres Foto der Großdemo)

Videos: http://www.youtube.com/watch?v=tnzpLEweAII (Video der vorbeiziehenden Großdemo, aufällig ist hier die, für die spanische Protestkultur typische, künstlerische Komponente)

http://www.youtube.com/watch?v=5iVPTPyKCmY (Video mit Schwerpunkt auf dem „schwarzroten“ Block)

http://www.youtube.com/watch?v=i7bGbIHQNHs (Theaterperformance vor dem Partido-Popular-Büro)

Madrid: In der spanischen Hauptstadt fanden bereits in der Nacht vom 13. auf dem 14. November große Spontandemos, die, in Ketten laufend, durch die Innenstadt gezogen sind, statt. Teilweise war Madrid durch Straßenblockaden vom Rest der „Außenwelt“ abgetrennt, tagsüber fuhr nur verminderter Verkehr. Überall in Madrid und im Ballungsraum kam es zur Bildung etlicher Streikposten, die dann oftmals als spontane Demozüge durch die Stadt liefen. Am frühen Abend formierte sich dann eine „Manifestacion Alternativa“ der anarchosyndikalistischen sowie basisorientierten Gewerkschaften sowie vielen, jungen Indignad@s, welche zur zentralen Kundgebung zog. Allein diese alternative Demo eine klar 6-stellige TeilnehmerInnenanzahl auf die Straße gebracht haben. Am Abend kam es dann zu einer riesigen, zentralen Kundgebung mit weit mehr als einer Million TeilnehmerInnen, die Zahl der Menschen war so groß, das nur Schätzungen möglich sind, wie viele es wirklich waren.
Leider griff die Bereitschaftspolizei im Tagesverlauf mehrere Streikposten an, es kam zu vielen Festnahmen, leider wurden auch einige Menschen verletzt. Am Abend kam es zu einer heftigen Eskalation der Situation, als Zivilpolizisten wahllos Menschen festnehmen wollten, die Menge sich dies nicht gefallen ließ und daraufhin die Polizei Gummigeschosse und Knüppel einsetzte. Die Szenen in Madrid sind als besonders bedenklich zu werten, da die „Antidisturbios“ mehr oder minder wahllos die (nahezu) gesamte Stadtbevölkerung massiv drangsaliert und schlußendlich angegriffen haben. Der Polizeieinsatz ist bis heute (Anfang 2013) ein umstrittenes Thema innerhalb der spanischen Gesellschaft.

Hier eine kleine Bildersammlung aus Madrid:

http://movimientoindignadosspanishrevolution.files.wordpress.com/2012/11/madridimpresionante14n.jpg (dieses Bild ging mehr oder minder „um die Welt“ und zeigt die Hauptdemo an der Plaza Colon während ihres Höhepunktes, wobei die gesamte Route mit Menschen gefüllt war, diese zog sich 2 bis 3 Kilometer durch die madrilenische Innenstadt)

http://movimientoindignadosspanishrevolution.files.wordpress.com/2012/11/madrid14n12.jpg (dieses Bild enstand sehr wahrscheinlich fast im selben Moment wie das vorherige und zeigt die Straßen rund um den Neptuno, von wo die Massen zur Plata Colon wollten, jedoch schien die Demo aufgrund ihrer Menschenmassse einfach nicht weiterlaufen zu können)

http://www.corrienteroja.net/media/k2/items/cache/cdfa54053805c4a7f07a2686eb2f2fc9_XL.jpg (Bild der anarchosyndikalistisch-basisgewerkschaftlichen, alternativen Demonstration)

http://www.flickr.com/photos/libertinus/8197394731/ (nächtlicher, spontaner Streikposten in Lavapies, einem alternativ-geprägten Viertel von Madrid)

Videos: http://www.youtube.com/watch?v=cWVpe9OHy0Y (gutes Video, welches versucht, die verschiedenen Blöcke und Gewerkschaften festzuhalten, hier zeigt sich gut das dichte Gedränge der vielen, vielen Leute)

http://www.youtube.com/watch?v=cWVpe9OHy0Y (Lufteindruck des Neptuno, während die Hauptdemo quasi versucht, am Neptuno „vorbeizuziehen“, gleichzeitig sammelten sich zu diesem Zeitpunkt viele Leute an dieser Stelle um den nahen Congreso de los diputados zu belagern, später sollten hier massive Übergriffe der Polizei erfolgen)

http://www.youtube.com/watch?v=LTfurMNRexw (dieses Video zeigt, wie eine Polizeikolonne von der immensen Menschenmenge „umzingelt“ wird, zu Zusammenstößen kam es aber erst später, jedoch zeigt die Gestik der Polizeiangehörigen teilweise ihre „Wut“ auf die protestierenden Menschen)

Zu den polizeilichen Zusammenstößen in Spanien und anderswo wird es noch ein weiteres Post geben, da gewisse Entwicklungen (beispiel „Fall Alfon“) sich jetzt erst „klären“ sowie sehr viel Material (vorallem Videos) sich alleine um Zusammenstöße mit der Polizei dreht.

Lissabon: Hier kam es zu mehreren Demonstrationen. Zwar erreichten diese nicht die immense Größe der Proteste in Spanien, jedoch kamen auch hier tausende von Menschen auf die Straße. Abends kam es auch in Lissabon zu Zusammenstößen zwischen DemonstrantInnen und der Polizei, wobei es leider viele Festnahmen und Verletzte gegeben hat. Zuvor demonstrierten mehrere, große Gewerkschaften im Stadtzentrum von Lissabon. Konkrete Zahlen liegen nicht vor, sollen aber klar in die zehntausenden gehen.

Da die Informationsquellen aus Portugal nicht so gut sind wie die aus Spanien, erscheint hier ein Video, welches die Ereignisse des 14. November jedoch gut zusammenfasst:

http://www.youtube.com/watch?v=bzodV6ogQwE (aufällig ist der starke Bezug auf die „Troika“ während der Proteste, im Verlaufe des Videos zeigt sich die Agression der Polizei und Gegenreaktionen in Form von Steinwürfen seitens einzelner Protestierender deutlich, die Ausschreitungen hielten bis tief in den Abend an)

http://www.youtube.com/watch?v=tBelgMoh5oA (Video der Demonstration der Gewerkschaften)